Meine Gedanken

Ich wage zu behaupten, dass in einer Zeit, in der das Schreckliche und Hässliche so sehr dominiert, mehr Mut dazu gehört, nicht dem Trend zu folgen, noch hässlichere Klänge und Geräusche krampfhaft zu suchen, sondern sich auf die Anlage und Möglichkeiten des menschlichen Gehörs zurückzubesinnen und dem Hörer das zu geben, was er berechtigt erwarten darf: MUSIK, die, wenn sie wirklich außer den Komponisten selbst — wenn überhaupt — noch jemanden erreichen soll, immer noch aus Melodie, Harmonie (im umfassenden Sinn) und Rhythmus bestehen muß.

Wenn Paul Hindemith von sich sagte, ‚er sei ohne Max Reger gar nicht denkbar‘, so hat er — bei aller Neuartigkeit seiner Tonsprache im Vergleich mit Max Reger — damit seine tiefe Verwurzelung in der großen Tradition der abendländischen Musik ausgedrückt. Zu eben dieser Tradition bekenne ich mich uneingeschränkt..."

(aus einem Statement 1978)

"1979 schrieb Cesar Bresgen Das Erreichen einer Synthese klanglicher Farbwelt und überkommener polyphoner Gesinnung dürfte Leitners vornehmstes Anliegen sein . .

Die ersten Kontakte mit Musik des 20. Jahrhunderts hatte ich als Gymnasiast etwa um 1958. Es war überwiegend Musik von Johann Nepomuk David und Paul Hindemith, vermittelt durch den damaligen Leiter des Welser Bach-Chores und meinen späteren Lehrer Joseph Friedrich Doppelbauer. Einige Jahre später hörte ich erstmals Musik von Olivier Messiaen, die mich von Anfang an faszinierte. Diese beiden Einflüsse haben mich nachhaltig geprägt.

Mittlerweile lehne ich Härten in harmonischer Hinsicht, die sich in Werken überwiegend ‚polyphoner Gesinnung‘ oft ergeben, ebenso ab, wie eine nur auf ‚Farbe‘ ausgerichtete Musik.

Die Auseinandersetzung mit Werken der Wiener Schule war für mein Schaffen letztlich am prägendsten. Diesen Satz würde ich aus heutiger Sicht der anfangs zitierten Aussage Cesar Bresgens noch hinzufügen."

Ernst Ludwig Leitner